Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums e.V.

Die Felsgräber der Qubbet el-Hawa Nord: Oberägypten und Unternubien im Spiegel einer neuen Nekropole

 
Die Nekropole
Nur ca. 1 km nördlich der Qubbet el-Hawa, auf dem Westufer des Nil, stießen Arbeiter bei der Erweiterung des nubischen Dorfes Aswan-Gharb auf eine bislang unbekannte Nekropole. Einige der Gräber wurden schon kurz nach dem Fund beraubt. Dabei kam teils auch Großgerät wie Loader zum Einsatz, um beschriftete und dekorierte Architekturelemente, wie beispielsweise einen Architrav aus den Gräbern zu reißen. Bereits 2013 mehrten sich in der ägyptischen und internationalen Presse Berichte über den Fund der Gräber und der Beginn ihrer Zerstörung.
Nur durch den beherzten Einsatz der Mitarbeiter im Inspektorat von Aswan gelang es, die Situation unter Kontrolle zu bringen und erste Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Das Gelände wurde zum Antikenland erklärt, stabile Eisentüren wurden vor die Grabeingänge gesetzt und im Sommer 2014 erfolgte eine erste kurze Grabungskampagne des ägyptischen Teams. Im weiteren Verlauf wurden Funde aus den Gräbern sichergestellt, worunter auch ein beschrifteter Architrav aus dem Grab des User gehört. Neben der Sicherung von Funden und Befunden erfolgte eine Begehung des Terrains. Bislang sind neun Gräber entdeckt worden, die allesamt mehrräumige, in den anstehenden Sandstein geschlagene Felsgräber darstellen. Nach Ausweis des Dekors und der bisher entdeckten Funde, handelt es sich vorwiegend um Gräber der höchsten Elite Aswans aus dem frühen Neuen Reich bis in die Ramessidenzeit.


Rettungsgrabungsprojekt in Kooperation mit dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin
Nach einem Kooperationsangebot des ägyptischen Antikenministers, Prof. Dr. Mohamed Ibrahim Ali, wurde zu des Jahres 2015 wurde die „Egyptian-German Mission: Qubbet el-Hawa North“ ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Inspektorat in Aswan und dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin. Dieses bilateral ausgelegte Projekt hat vor allem die Aufgabe die neu entdeckte Nekropole archäologisch zu dokumentieren sowie in einem weiteren Schritt Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen durchzuführen.
Dem Ägyptischen Museum Berlin wurde damit die Möglichkeit eröffnet seit nahezu 100-jähriger Absenz im Kernland seines Interessensgebietes, erneut ein Grabungsprojekt zusammen mit ägyptischen Kollegen zu beginnen.
Mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung durch den Förderverein des Ägyptischen Museums e.V. und einer Anschubfinanzierung durch die Deutsche-Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte im Herbst 2015 eine erste Rettungsgrabungskampagne in Aswan stattfinden. Die erste Feldkampagne wurde im Herbst/Frühjahr 2016/2017 durchgeführt.

Erste Rettungsgrabungskampagne im Herbst 2015
Die Arbeiten im Herbst konzentrierten sich vor allem darauf, zunächst einen Überblick über die Nekropole und Lage der einzelnen Gräber zu gewinnen. Hierfür wurde das Gelände zunächst mittels Tachymeter eingemessen und erste Vermessungen der Gräberinnenräume konnten erfolgen.
Die Hauptarbeit konzentrierte sich auf die im Südwesten liegenden Gräber des Neuen Reiches. Hier hatten die Grabräuber besonders aktiv gewirkt, was sich an den großen Schutthaufen zeigt, die sie in den Vorhofbereichen der Gräber hinterlassen haben. Zunächst musste dieses Material weggeräumt und durchsiebt werden.

QHN-2: Das Grab des User
Das Grab, welches in der Mitte der 18. Dynastie während der Regierungszeit Amenhotep III. angelegt wurde, stand bereits im Fokus der Grabraubaktivitäten. Dabei sind nicht nur Fundstücke, sondern auch Architekturbestandteile, wie der beschriftete Architrav im Eingang zum zweiten Innenraum schwer beschädigt worden.
Im Jahr 2014 konnten die ägyptischen Kollegen während ihrer Rettungsgrabung bedeutende Funde aus dem Grab des User bergen, wozu auch ein Totenbuchpapyrus gehört, zu dem weitere Fragmente im Herbst 2015 gefunden werden konnten.


Die Säuberungen im Bereich des Vorhofes und der oberirdisch gelegenen Innenräume konnten während der Grabungskampagne im Herbst 2015 zum Großteil abgeschlossen werden, wobei erneut sowohl Fragmente von Kleinfunden, sowie eine Vielzahl an Keramik sichergestellt worden ist. Des Weiteren wurde die Wandbemalung des ersten Innenraumes photographisch dokumentiert.
In der nächsten Kampagne sollen nun der Bereich des Vorhofes sowie der Grabschacht im ersten Raum mitsamt der anschließenden Grabkammer näher untersucht werden. Die Funde und Befunde werden zur Publikation in einer neugegründeten Reihe des MSA/SCA unter Federführung der ägyptischen Kollegen zur Publikation vorbereitet.

QHN-4
Etwas nördlicher liegt die Grabanlage eines gewissen Amenhotep, der in der frühen 18. Dynastie, während der Regierungszeit der Hatschepsut/Thutmosis III. in Aswan tätig war. Sein Grab zeichnet sich zum einen durch seine Größe, ebenso aber auch durch seine Dekoration aus. Anders als im Falle des User-Grabes, ist die gesamte Außenfassade mit Dekor, im versenkten Relief ausgeführt, versehen. Auch ein Teil der Innenräume weist Reliefdekor auf.
Bislang konnte nur ein kleiner Teil des Eingangsbereiches freigelegt werden, so dass zumindest die photographische Dokumentation der gesamten Außenfassade erfolgen konnte. Durch seine Lage ist die aus einem sehr feinen Sandstein geschlagene Fassadendekoration vor allem den starken Witterungsbedingungen ausgesetzt. Die gesamte Fassade wurde daher zunächst mittels Sandsäcke verblockt und somit von weiteren Beschädigungen geschützt, bevor eine sehr viel ausgefeiltere Schutzkonstruktion nach der vollständig abgeschlossenen Dokumentation gebaut werden soll.




QHN-5
Direkt oberhalb der Grabfassade von QHN-4 befindet sich der ehemalige Eingang zu Grab QHN-5. Dieses sehr viel kleiner dimensionierte Grab hat durch den Grabraub und die damit zusammenhängende Zerstörung der Decke im Bereich des ersten Raumes stark gelitten. Die Wände waren dereinst mit einem Putz versehen worden, auf den schließlich ein farbiges Dekor bestehend aus Inschriftenbändern und Szenen aufgetragen worden ist. Durch die Zerstörung der Decke, war dieser Raum nun über zwei Jahre lang den Witterungsbedingungen ausgesetzt, was letztlich zu einem nahezu vollständigen Verlust der ehemaligen Wandbemalung geführt hat.
Im Fokus der ersten Rettungskampagne stand daher zunächst, den Raum vom Schutt zu befreien und fertig auszugraben. Hierbei stießen wir auf gestörte Bestattungen, die teils mit Uschebtis, Keramik und Schmuck ausgestattet worden waren.
Zum Abschluss der kurzen Kampagne wurde zunächst ein reversibles Schutzdach aus Wellblech eingebracht, welches die bedrohten Wandmalereien zumindest vor der Witterung schützen soll. Für die nächste Kampagne ist nun eine epigraphische Dokumentation der Dekoration und der noch erhaltenen Textfragmente geplant.


Dank
Das gesamte Team bedankt sich bei der DFG und dem Förderverein des Ägyptischen Museums Berlin e.V. für die generöse finanzielle Unterstützung, ohne die die Durchführung der erfolgten ersten Kampagne in Aswan nicht hätte stattfinden können. Des Weiteren gilt unser Dank Prof. Dr. A. Jimenez-Serrano für seine Unterstützung in Aswan sowie Dr. F. Arnold und M. Schröder vom DAI Kairo.

Team:

Ägyptische Mitglieder:
1) Nasr Salama Ibrahim (General Director)
2) Osama Amer (Inspector of antiquities)
3) Adel Kamel Tohamy (Antikeninspektor; Grabungsinspektor der Kampagne 2015)
4) Mohamed Hamdi Rabie (Antikeninspektor)
5) Heba Alders (Antikeninspektorin)
6) Faisal Hefny Abdul Whab (Antikeninspektor)
7) Mohamed Saadallah Hassan (Restaurator)

Deutsche Mitglieder:
1) Prof. Dr. Friederike Seyfried (Projektleitung)
2) Dr. Karl Joachim Seyfried (Grabungsleiter I)
3) Robert Kuhn M.A. (Grabungsleiter II)
4) Dirk Jerominek (Architekt - Vermessung)
5) Sandra Steiß (Photographin)

Überblick

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