Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums e.V.

Die Felsgräber der Qubbet el-Hawa Nord: Oberägypten und Unternubien im Spiegel einer neuen Nekropole

 

Die Nekropole


Nur ca. 1 km nördlich der Qubbet el-Hawa, auf dem Westufer des Nil, stießen Arbeiter bei der Erweiterung des nubischen Dorfes Aswan-Gharb auf eine bislang unbekannte Nekropole. Einige der Gräber wurden schon kurz nach dem Fund beraubt. Dabei kam teils auch Großgerät wie Loader zum Einsatz, um beschriftete und dekorierte Architekturelemente, wie beispielsweise einen Architrav aus den Gräbern zu reißen. Bereits 2013 mehrten sich in der ägyptischen und internationalen Presse Berichte über den Fund der Gräber und der Beginn ihrer Zerstörung.

Nur durch den beherzten Einsatz der Mitarbeiter im Inspektorat von Aswan gelang es, die Situation unter Kontrolle zu bringen und erste Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Das Gelände wurde zum Antikenland erklärt, stabile Eisentüren wurden vor die Grabeingänge gesetzt und im Sommer 2014 erfolgte eine erste kurze Grabungskampagne des ägyptischen Teams. Im weiteren Verlauf wurden Funde aus den Gräbern sichergestellt, worunter auch ein beschrifteter Architrav aus dem Grab des User gehört. Neben der Sicherung von Funden und Befunden erfolgte eine Begehung des Terrains. Bislang sind neun Gräber entdeckt worden, die allesamt mehrräumige, in den anstehenden Sandstein geschlagene Felsgräber darstellen. Nach Ausweis des Dekors und der bisher entdeckten Funde, handelt es sich vorwiegend um Gräber der höchsten Elite Aswans aus dem frühen Neuen Reich bis in die Ramessidenzeit.


Rettungsgrabungsprojekt in Kooperation mit dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin


Nach einem Kooperationsangebot des ägyptischen Antikenministers, Prof. Dr. Mohamed Ibrahim Ali, wurde zu des Jahres 2015 wurde die „Egyptian-German Mission: Qubbet el-Hawa North“ ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Inspektorat in Aswan und dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin. Dieses bilateral ausgelegte Projekt hat vor allem die Aufgabe die neu entdeckte Nekropole archäologisch zu dokumentieren sowie in einem weiteren Schritt Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen durchzuführen.

Dem Ägyptischen Museum Berlin wurde damit die Möglichkeit eröffnet seit nahezu 100-jähriger Absenz im Kernland seines Interessensgebietes, erneut ein Grabungsprojekt zusammen mit ägyptischen Kollegen zu beginnen.

Mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung durch den Förderverein des Ägyptischen Museums e.V. und einer Anschubfinanzierung durch die Deutsche-Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte im Herbst 2015 eine erste Rettungsgrabungskampagne in Aswan stattfinden. Die erste Feldkampagne wurde im Herbst/Frühjahr 2016/2017 durchgeführt.


Erste Rettungsgrabungskampagne im Herbst 2015


Die Arbeiten im Herbst konzentrierten sich vor allem darauf, zunächst einen Überblick über die Nekropole und Lage der einzelnen Gräber zu gewinnen. Hierfür wurde das Gelände zunächst mittels Tachymeter eingemessen und erste Vermessungen der Gräberinnenräume konnten erfolgen.

Die Hauptarbeit konzentrierte sich auf die im Südwesten liegenden Gräber des Neuen Reiches. Hier hatten die Grabräuber besonders aktiv gewirkt, was sich an den großen Schutthaufen zeigt, die sie in den Vorhofbereichen der Gräber hinterlassen haben. Zunächst musste dieses Material weggeräumt und durchsiebt werden.

QHN-2: Das Grab des User
Das Grab, welches in der Mitte der 18. Dynastie während der Regierungszeit Amenhotep III. angelegt wurde, stand bereits im Fokus der Grabraubaktivitäten. Dabei sind nicht nur Fundstücke, sondern auch Architekturbestandteile, wie der beschriftete Architrav im Eingang zum zweiten Innenraum schwer beschädigt worden.

Im Jahr 2014 konnten die ägyptischen Kollegen während ihrer Rettungsgrabung bedeutende Funde aus dem Grab des User bergen, wozu auch ein Totenbuchpapyrus gehört, zu dem weitere Fragmente im Herbst 2015 gefunden werden konnten.


Die Säuberungen im Bereich des Vorhofes und der oberirdisch gelegenen Innenräume konnten während der Grabungskampagne im Herbst 2015 zum Großteil abgeschlossen werden, wobei erneut sowohl Fragmente von Kleinfunden, sowie eine Vielzahl an Keramik sichergestellt worden ist. Des Weiteren wurde die Wandbemalung des ersten Innenraumes photographisch dokumentiert.

In der nächsten Kampagne sollen nun der Bereich des Vorhofes sowie der Grabschacht im ersten Raum mitsamt der anschließenden Grabkammer näher untersucht werden. Die Funde und Befunde werden zur Publikation in einer neugegründeten Reihe des MSA/SCA unter Federführung der ägyptischen Kollegen zur Publikation vorbereitet.

QHN-4
Etwas nördlicher liegt die Grabanlage eines gewissen Amenhotep, der in der frühen 18. Dynastie, während der Regierungszeit der Hatschepsut/Thutmosis III. in Aswan tätig war. Sein Grab zeichnet sich zum einen durch seine Größe, ebenso aber auch durch seine Dekoration aus. Anders als im Falle des User-Grabes, ist die gesamte Außenfassade mit Dekor, im versenkten Relief ausgeführt, versehen. Auch ein Teil der Innenräume weist Reliefdekor auf.

Bislang konnte nur ein kleiner Teil des Eingangsbereiches freigelegt werden, so dass zumindest die photographische Dokumentation der gesamten Außenfassade erfolgen konnte. Durch seine Lage ist die aus einem sehr feinen Sandstein geschlagene Fassadendekoration vor allem den starken Witterungsbedingungen ausgesetzt. Die gesamte Fassade wurde daher zunächst mittels Sandsäcke verblockt und somit von weiteren Beschädigungen geschützt, bevor eine sehr viel ausgefeiltere Schutzkonstruktion nach der vollständig abgeschlossenen Dokumentation gebaut werden soll.




QHN-5
Direkt oberhalb der Grabfassade von QHN-4 befindet sich der ehemalige Eingang zu Grab QHN-5. Dieses sehr viel kleiner dimensionierte Grab hat durch den Grabraub und die damit zusammenhängende Zerstörung der Decke im Bereich des ersten Raumes stark gelitten. Die Wände waren dereinst mit einem Putz versehen worden, auf den schließlich ein farbiges Dekor bestehend aus Inschriftenbändern und Szenen aufgetragen worden ist. Durch die Zerstörung der Decke, war dieser Raum nun über zwei Jahre lang den Witterungsbedingungen ausgesetzt, was letztlich zu einem nahezu vollständigen Verlust der ehemaligen Wandbemalung geführt hat.

Im Fokus der ersten Rettungskampagne stand daher zunächst, den Raum vom Schutt zu befreien und fertig auszugraben. Hierbei stießen wir auf gestörte Bestattungen, die teils mit Uschebtis, Keramik und Schmuck ausgestattet worden waren.

Zum Abschluss der kurzen Kampagne wurde zunächst ein reversibles Schutzdach aus Wellblech eingebracht, welches die bedrohten Wandmalereien zumindest vor der Witterung schützen soll. Für die nächste Kampagne ist nun eine epigraphische Dokumentation der Dekoration und der noch erhaltenen Textfragmente geplant.


Dank
Das gesamte Team bedankt sich bei der DFG und dem Förderverein des Ägyptischen Museums Berlin e.V. für die generöse finanzielle Unterstützung, ohne die die Durchführung der erfolgten ersten Kampagne in Aswan nicht hätte stattfinden können. Des Weiteren gilt unser Dank Prof. Dr. A. Jimenez-Serrano für seine Unterstützung in Aswan sowie Dr. F. Arnold und M. Schröder vom DAI Kairo.

Team:

Ägyptische Mitglieder:
1) Nasr Salama Ibrahim (General Director)
2) Osama Amer (Inspector of antiquities)
3) Adel Kamel Tohamy (Antikeninspektor; Grabungsinspektor der Kampagne 2015)
4) Mohamed Hamdi Rabie (Antikeninspektor)
5) Heba Alders (Antikeninspektorin)
6) Faisal Hefny Abdul Whab (Antikeninspektor)
7) Mohamed Saadallah Hassan (Restaurator)

Deutsche Mitglieder:
1) Prof. Dr. Friederike Seyfried (Projektleitung)
2) Dr. Karl Joachim Seyfried (Grabungsleiter I)
3) Robert Kuhn M.A. (Grabungsleiter II)
4) Dirk Jerominek (Architekt - Vermessung)
5) Sandra Steiß (Photographin)



Zweite Rettungsgrabungskampagne Winter 2016/2017


Die zweite Kampagne im Winter fand zwischen dem 28.11.2016 und 20.2.2017 statt. Im Fokus standen zunächst die Grabareale QHN 2, 5 und 9, in denen bereits während der ersten Evaluierungskampagne im Herbst 2015 gearbeitet worden war.

Grabungen in QHN 2 - Grab des User
Zu Beginn der Kampagne wurden die verbleibenden 2 Innenräume freigelegt, darunter der Schacht zur Bestattungskammer sowie ein weiterer Schacht, der frei von archäologischen Funden war. Die Grabkammer selbst war dereinst durch einen Sandsteinblock verschlossen und bereits geplündert, doch konnten im Sand noch Reste einer Bestattung nachgewiesen werden, in deren Nähe Fragmente eines anthropomorph geformten Sarges, das Oberteil eines hölzernen Uschebti-Sarges, Reste eines Holzgefäßes sowie Fragmente eines hölzernen Kistendeckels gefunden wurden. Letzterer wies noch einen Privatnamen auf, der auch in der Grabdekoration des ersten Grabraumes genannt ist. Im Grabräuberschutt fanden sich zudem Reste von Papyri, darunter Fragmente von mindestens einem Totenbuch, und viele Keramikscherben, die in mühevoller Kleinarbeit von den Restauratoren und Miterarbeitern teils zu ganzen Gefäßen rekonstruiert werden konnten, darunter Amphoren, Bierflaschen und Schälchen.

Neben den Arbeiten im Grab selbst wurde die Ausgrabung im Vorhof in Angriff genommen. Völlig unklar war und ist beispielsweise der ehemalige Zugang zum Vorhof und dem Grab. Hierzu wurde ein Testschnitt im südöstlichen Bereich des Vorhofes angelegt, der allerdings weder Treppenstrukturen noch Rampen oder ähnliche Zugangssysteme erkennen ließ. Beim Freilegen des Vorhofes kamen dafür in den Ecken mehrere kleinere Gefäßdeponierungen zu Tage, zwei davon rechts und links des Grabeinganges, die aus jeweils zugedeckten Schälchen bestehen.

QHN 1
Parallel zu den Arbeiten am Testschnitt für den Vorhof von QHN 2 wurde gleichfalls der Bereich nach Südost erweitert, wodurch auch der Vorhof zu QHN 1 ausgegraben werden konnte. Auch dieser war völlig mit Flugsand verfüllt und weist - genau wie im Falle von QHN 2 eine rechteckige Umfriedung mit Bruchsteinmauerwerk auf, die den Vorhof in der Antike vor dem Versanden schützen sollte. Im östlichen Abschnitt wurde ein exquisiter Treppenzugang entdeckt, der in den anstehenden Sandstein geschlagen worden ist. Die Treppenstufen sind von einer Brüstung eingefasst, an die sich zu beiden Seiten je eine kleine Mastaba anschließt. Der Vorhof war im Gegensatz zum Grab 2 nahezu fundleer.

QHN 4 und QHN 4a
Sowohl im Vorhofbereich von QHN 2 als auch QHN 4/5 mussten weiterhin Reste des Grabräuberschuttes beräumt werden, die in Form großer Halden vor den Grabeingängen liegen gelassen worden waren. Das vorsichtige Vorgehen und grobe Sieben dieser Hügel erbrachte aber, wie bereits in der letzten Kampagne, eine Vielzahl von Gefäßfragmenten und Kleinfunden. Während des Abbaus der Schutthaufen im Osten des Vorhofes von QHN 4 stießen wir auf eine weitere kleine Kammer, die in den anstehenden Sandstein geschlagen worden war (QHN 4a). Bislang ist nicht sicher, ob es sich hierbei ebenfalls um ein kleines Grab handelt. Im Bereich vor dem Eingang, der ebenfalls mit einem größeren Sandsteinblock zugesetzt war, fanden sich einige Schalen und Keramikflaschen, die großteils noch vollständig erhalten waren. Die Untersuchung der Kammer wurde zugunsten der dringenden Sicherungsmaßnahmen an den bereits bekannten Gräbern zurückgestellt und der Kammereingang mit einer Eisentür verschlossen.

QHN 5
Im Winter 2015 wurde zunächst die erste Kammer, deren Decke sehr wahrscheinlich während der Raubgrabungen eingestürzt war, weitgehend ausgegraben und dokumentiert. Während der 2. Kampagne wurden nun die von der ersten Kammer abzweigenden inneren Räume freigelegt. Zwei der Räume stellen kleinere Nischen dar, in denen anscheinend mehrere Individuen, darunter auch Kinder, bestattet worden waren. Die dritte, nach Westen gerichtete Kammer besaß einen weiteren Durchgang in einen leicht höher gelegenen vierten Raum. In beiden Räumen waren dereinst wohl Bestattungen eingebracht, die aber bereits von Grabräubern durchsucht und stark gestört worden waren. Neben den Mumienresten konnten fragmentierte Gefäße, darunter auch Reste einer Kanope, tönerne Uschebti, Fragmente eines steinernen Doppel-Uschebti, sowie Schmuck und ein Ring aus Stein geborgen werden.

QHN 9 - Chunis (6. Dyn./1. Zwischenzeit)
Große Überraschungen erwarteten uns durch die Arbeiten im Vorhofbereich eines Grabes des Alten Reiches. Gen Nil ausgerichtet befindet sich hier das Grab des Siegelbewahrers Chunis, der aufgrund der Stilistik und bislang gefundenen Gefäßkeramik an den Übergang vom Ende des Alten Reiches zum Beginn der 1. Zwischenzeit datiert werden kann.

Die umfangreichen Grabungen im Vorhof offenbarten mehrere Schachtsysteme, von denen allerdings bislang nur ein Schacht mit einer Nebenbestattung ausgestattet war. Letztere Bestattung lag in einem zum Zeitpunkt der Auffindung bereits vollständig zerfallenen weißgestrichenen Holzsarg. Allerdings enthielt die Bestattung keinerlei Beigaben.

Im weiteren Verlauf der Grabungen stießen wir am Rand des Grabvorhofes auf eine zum Nil hinunterführende aus dem Sandstein gehauene Treppe.

Nicht nur in der Anlage des Grabes selbst, sondern ebenso im Vorhof zeigen sich bereits Ähnlichkeiten zu den bereits bekannten Anlagen der Qubbet el-Hawa. Zwar ist die Treppe noch nicht zur Gänze ausgegraben, doch stießen wir im oberen Drittel auf eine weitere Nebenbestattung, die in die Treppenwange eingelassen worden war. Als Beigabe besaß sie ein einziges tönernes Gefäß. Bislang haben sich leider keinerlei Inschriften etc. finden lassen, die auf die Identität der beiden im Vorhof und an der Treppe bestatteten Personen verweisen.

Dank
Die Arbeiten in QHN wären wie zuvor bei der Evaluierungskampagne ohne die großzügige Unterstützung des Fördervereins des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung sowie des Kuratoriums nicht möglich gewesen. Ab 1.1.2017 ist das Projekt zudem in das Langzeitförderprogramm der DFG aufgenommen worden. Unseren beiden Partnern sowie allen ägyptischen Mitarbeitern sei an dieser Stelle unser herzlichster Dank ausgesprochen.

Das Team 2016/2017
Ägyptische Mitarbeiter:
Nasr Salama Ibrahim (General Director),
Osama Amer (Inspector of antiquities),
Adel Kamel Tohamy (Inspector of antiquities),
Mohamed Hamdi Rabie (Inspector of antiquities),
Heba Alders (Inspector of antiquities),
Faisal Hefny Abdul Whab (Inspector of antiquities),
Hanan Mohamed (Restoration department);

Restauratoren:
Hanan Mohamed
Asmaa Mohamed Bashir
Sherihan Gamatin

Deutsche Mitarbeiter
Prof. Dr. Friederike Seyfried (Projektleitung),
Dr. Karl Joachim Seyfried (Grabungsleitung I),
Robert Kuhn M.A. (Grabungsleitung II),
Mirjam Mahn M.A. (Archäologin),
Dirk Jerominek (Architekt),
Sandra Steiß (Photographin),
Roxana Kuhn-Licu?? M.A. (Historikerin).

Grabungsarbeiter
Rais Machmud Mohamed
Grabungsarbeiter aus Luxor und dem Dorf Aswan-Gharb



Dritte Rettungsgrabungskampagne Winter 2017/2018


Die dritte Rettungsgrabungskampagne der Ägyptisch-Deutschen Mission fand zwischen dem 21.11.2017 und 17.2.2018 statt. Im Fokus der Saison standen vor allem die Ausgrabungen der Innenräume des Grabes QHN 9 aus dem späten Alten Reich sowie der Vorhof des Grabes QHN 6/7 aus der 18. Dynastie.

Das Grab des Chunis (QHN 9)
Vorhof
Da der Fokus auf den Innenräumen und der Restaurierung der Fassade lag, konnten gegenüber der letztjährigen Kampagne nur geringfügige Bereiche des Vorhofes freigelegt werden. Die Gesamtausdehnung des Treppenzugangs ist somit noch nicht vollständig bekannt. Allerdings wurde ein weiterer sekundärer Schacht im Norden der Treppe nachgewiesen, der sowohl Mumienfragmente und Reste von Alter Reichs-Keramik aufwies. Der Abschluss der Freilegungsarbeiten im Vorhof ist für die kommende Saison geplant.

Die brüchige Fassade konnte mit Hilfe eines auf Antiken spezialisierten Maurers aus Luxor unter Verwendung lokalen Materials aus Sandstein abgesichert werden.

Innenräume
Aus Sicherheitsgründen war in den beiden vorherigen Kampagnen die Arbeit in den Innenräumen des Grabes noch nicht möglich. Risse in der Fassade und Decke des Grabes bereiteten Probleme. Gleich zu Beginn der dritten Kampagne wurde daher eine Sicherungskonstruktion aus Eisen eingebracht. Letztere ermöglichte die vollständige Freilegung des Grabes mitsamt den zwei Schachtsystemen.

Zwar war ein Großteil der 10-Pfeiler-Raumes nahezu bis zur Decke mit Sand verfüllt, doch zeigte die Ausgrabung, dass auch dieser Bereich deutlich von den Grabraubaktivitäten in Mitleidenschaft gezogen ist. Zwischen den Pfeilern fanden sich die Bestattungen von mindestens 26 Personen (basierend auf den gefundenen Schädeln), doch wurde keine dieser Bestattungen ungestört aufgefunden. Selbiges gilt für die beiden Schächte I und II, in denen sich sogar noch Hinterlassenschaften der Raubgräber wie Leuchtmittel etc. nachweisen ließen. Es ist daher nicht überraschend, dass kaum noch Kleinfunde angetroffen werden konnten. Eine Ausnahme bildet die Basis einer geschwärzten Sandsteinstatuette, die wohl einer Frau des Grabinhabers aus der späten 6. Dynastie zuzuweisen ist, sowie ein aus Kupfer gefertigtes Rasiermesser. Zudem wurden im Bereich der Nebenbestattungen im Pfeilerraum Keramikgefäße entdeckt, die in die Zeit der 1. Zwischenzeit und das Mittlere Reich datieren.

Der Vorhof des Grabes QHN 6/7
Im Zuge der Absicherung des Grabeinganges zu Grab QHN 6, welches aufgrund seines Reliefdekors und der Inschriften einem hohen Beamten der 18. Dynastie, User-Satet, zugewiesen werden kann, musste der noch völlig mit Sand und Schutt gefüllte Vorhof vollständig ausgegraben werden. In der Füllung des Areales fanden sich in den oberen Bereichen abermals Rückstände von zwei Sandbestattungen aus einer jüngeren Nutzungsphase, auf der Sohle konnten jedoch nahezu ungestörte Befunde eines Opfermahles freigelegt werden, die aufgrund der Keramik in die Zeit der Grabanlage gehören.

Um ein Nachrutschen von Sediment aus umliegenden Schutthalden in den Grabvorhof zu vermeiden, mussten diese Halden ein Stück zurückgestutzt und geböscht werden. Dabei zeigte sich, dass zwar der obere Teil der Halden groben Schutt jüngeren Datums enthielt. Ihr unterer Teil besteht anscheinend jedoch vorrangig aus Flugsand, in den eingebettet Spuren älterer Aktivitäten erhalten sind. Bei der Kupierung einer südwestlich des Vorhofes gelegenen Halde wurde eine kurze Bruchsteinmauer freigelegt, die womöglich bereits in antiker Zeit den Vorhof vor einer Zusetzung mit vom Wind hereintransportierten Sandmassen schützen sollte. In Halden nordwestlich und nördlich des Vorhofes fanden sich teils vollständige bzw. nahezu vollständig rekonstruierbare Keramikgefäße, die auf Kultaktivitäten hinweisen.

Restaurierung und Site-Management
Durch die großzügige Unterstützung des Fördervereins sowie dessen Kuratoriums war es auch in dieser Kampagne möglich mehrere wichtige Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen vor Ort zu unternehmen. Darunter zählen die Absicherung der Fassade von Grab QHN 9, die Herstellung und Installation weiterer Metalltüren in den Gräbern und Schächten sowie die Fortführung der Papyrusrestaurierung unter Anleitung von M. Krutzsch. Zudem wurde ein neues Lichtsystem auf der Nekropole installiert. Und eine Toilettenreinigungsaktion gesponsert.

Dank
Unser herzlicher Dank gilt den Förderern des Projektes: DFG, dem Förderverein des Ägyptischen Museums sowie seines Kuratoriums, ohne deren wertvolle finanzielle Unterstützung die Arbeiten vor Ort nicht möglich gewesen wären.

Team
Das Team 2017/2018
Ägyptische Mitarbeiter:
Mohamed Abd el-Manem (General Director),
Osama Amer (Inspector of antiquities),
Adel Kamel Tohamy (Inspector of antiquities),
Mohamed Hamdi Rabie (Inspector of antiquities),
Heba Alders (Inspector of antiquities),
Faisal Hefny Abdul Whab (Inspector of antiquities),
Machmud Mochtar (Inspektor)
Achmed Masoud (Trainee-Inspektor)

Restauratoren:
Mirjam Krutzsch (Papyrusrestaurator, Ägyptisches Museum Berlin)
Hanan Mohamed
Asmaa Mohamed Bashir
Fatma El-Zahraa
Othman Mohamed
Mohamed Goma Mohamed Salem
Rehab Sabry Abd el-Latif
Mohamed Saadallah Hassan
Somaya Mansour Edress
Hanan Younis Khalil
Mohamed Shaban Wardany

Deutsche Mitarbeiter
Prof. Dr. Friederike Seyfried (Projektleitung),
Dr. Karl Joachim Seyfried (Grabungsleitung I),
Robert Kuhn MA (Grabungsleitung II),
Mirjam Mahn MA (Archäologin),
Dirk Jerominek (Architekt),
Sandra Steiß (Fotografin),

Grabungsarbeiter
Gedankt sei außerdem den lokalen Arbeitskräften aus dem Dorf Aswan-Gharb, die unter Anleitung des Rais Machmud aus Luxor sowie der kleinen Luxor-Crew die Arbeiten vor Ort unternommen haben.



Winterkampagne 2018/2019 (4. Feldkampagne)


Die diesjährige Winterkampagne fiel leider aufgrund der verspäteten Security nur sehr kurz aus. Die Arbeiten, die das diesjährige kleine Team vom 22.3.-15.4.2019 bewältigte, beschränkten sich daher vorwiegend auf die Fundaufarbeitung. So konnten sowohl Kleinfunde als auch Keramik der letzten Kampagnen zeichnerisch aufgenommen werden. Der Fokus lag dabei vor allem auf den Gräbern QHN 2, 4a und 5.

Bereits während der 2. Feldkampagne waren wir während unserer Arbeiten im Vorhof der Gräber 4/5 (Neues Reich) auf eine kleine Felsnische gestoßen (4a), die damals aber nicht fertig ausgegraben werden durfte. Die Ausgrabung des kleinen Raumes konnte nun abgeschlossen werden und es zeigte sich, dass es sich hierbei nicht, wie zuvor noch vermutet, um ein kleines Grab, sondern eine besonders herausgehobene kleine Kultstätte handelt. Sowohl vor dem Eingang, als auch im Inneren des Raumes fanden sich vorwiegend Schalen, sogenannte Blumentöpfe und Bierkrüge der 18. Dynastie, die hier gesondert deponiert worden sind. Die kleine Felskammer war mit einem Felsblock verschlossen worden und dürfte aufgrund der Keramik weitgehend im Zusammenhang mit Grab 4 stehen.

Im Zuge der Reinigung des Areals vor der Felsnische 4a wurde zudem der Grabungsschnitt nach Süden erweitert, um Klarheit über den Verlauf der Vorhofmauern zwischen den beiden Gräbern QHN 3 und QHN 4/5 zu erlangen. Die Freilegung des Felsvorsprunges zeigte dabei abermals, wie stark die Raubgrabungsaktivitäten durch Einsatz schweren Gerätes, die Architektur in der Nekropole in Mitleidenschaft gezogen haben. Bis zum Ende der Kampagne gelang es zumindest die Oberkante der - für den kleinen Vorhof von QHN 3 verhältnismäßig dicken Mauer, freizulegen.

Die Bauaufnahme der Innenräume des Grabes QHN 9 aus dem späten Alten Reich / 1. Zwischenzeit wurde abgeschlossen. Während der nächsten Kampagne muss daher nun nur noch der vollständige Treppenverlauf dokumentiert und kleine Teile der Vorhofmauern gesäubert werden. Kleine Restaurierungsmaßnahmen der aus Bruchsteinen aufgemauerten Treppenwangen wurden unter Verwendung der originalen Blöcke durchgeführt.

Team der Kampagne 2018/2019
Prof. Dr. F. Seyfried (Projektleitung)
Dr. R. Kuhn (Grabungsleitung)
S. Konert (Ägyptologie)
D. Jerominek (Architekt / Bauforschung)
P. Lehmann (Restaurierung)
Abdel-Moneim Said (General director, Aswan Inspektorat)
Mohamed Hamdi Rabie (Antikeninspektor)
Omayma Helmy Abas (Antikeninspektorin)
Heba Saad Harby (Antikeninspektorin)
Hanan G. Mohamed (Restaurierung)
Mona Mohamed Ahmed Abd Al-Maged (Restaurierungstrainee)
Grabungsarbeiter aus Aswan-Gharb unter Anleitung des Rais Machmud sowie dessen Sohn Mohamed.

Dank
Unser Dank gilt wie jedes Jahr den Unterstützern des Projektes: der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), den Mitgliedern des Fördervereins des Ägyptischen Museums Berlin e. V. sowie des Kuratoriums des Fördervereins.
Für die freundliche und gute Zusammenarbeit sei zudem dem Ministry of Antiquities unter Leitung S. E. Prof. Dr. el-Enany sowie dem lokalen Inspektorat in Aswan unter Leitung von Abdel-Moneim Said herzlich gedankt.

Überblick

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